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Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen

Uff! Dieser lange Begriff bedarf erst einmal einer kurzen Erklärung: Zirka” heißt "etwa" und Dia” ist der "Tag". Zirkadiane Rhythmen sind also Abläufe, die etwa so lang sind wie ein Tag. Davon laufen beim Menschen mehrere ab, z. B. der Schlaf-Wach-Rhythmus. Dieser kann ganz schön aus dem Gleichgewicht geraten. Über die Störungen, die daraus folgen können, findet Ihr hier wichtige Infos.


Was die innere Uhr leisten muss

Unsere biologische Uhr sorgt dafür, dass Prozesse im Körper, die sich innerhalb von etwa 24 Stunden wiederholen (wie die Hormonregulation, der Blutdruck, die Verdauung, der Schlaf etc.), mit der Außenwelt synchron sind, also im Gleichschritt laufen. Durch Licht erhält ein kleiner Teil im Gehirn (der suprachiasmatische Kern) Informationen über die äußere Zeit und sendet diese Informationen weiter an alle Organe. Mehr über die Funktionsweise der Inneren Uhr erfahrt Ihr an anderer Stelle.


Wenn die innere Uhr aus dem Takt gerät

Nach einer einzigen durchgemachten Nacht habt Ihr natürlich noch nichts zu befürchten. Problematisch kann es aber werden, wenn Anforderungen der Arbeit (bspw. durch Schichtdienst), soziale Aktivitäten sowie individuelle Gewohnheiten den vom Körper natürlicherweise bevorzugten Rhythmus verschieben. Aus dem Takt geratene Rhythmen können vorübergehend die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden beeinträchtigen. Das kennen viele von Euch vermutlich von einem Jetlag nach einem Flug in eine andere Zeitzone. Chronisch aus dem Takt geratene Rhythmen begünstigen sogar ernsthafte gesundheitliche Probleme, beispielsweise für die Verdauung und das Herz-Kreislauf-System.

Eine Rhythmusstörung hat nicht immer äußere Umstände (Aktivitäten oder Arbeitszeiten) als Ursache. Verschiebungen können auch genetisch bedingt und bei einigen Menschen ohne geklärte Ursache auftreten. Bei einigen Patienten treten die Rhythmusprobleme schon im Kindesalter oder während der Pubertät auf und ziehen sich bis ins Erwachsenenalter.

Wusstest du schon?

Die zweimal jährlich stattfindende Zeitumstellung löst ähnliche – wenngleich auch schwächer ausgeprägte – Symptome aus wie ein Flug in eine andere Zeitzone. Man spricht daher auch von einem „Mini-Jetlag". Deshalb jedoch die Sommerzeit abzuschaffen, wie derzeit in der Politik diskutiert, davon halten wir nichts. Denn gerade die langen Sommerabende bereiten uns ja auch viel Freude.

So zeigt sich eine Rhythmusstörung

Symptome einer solchen Störung können Schlaflosigkeit (Insomnie), unfreiwilliges Einschlafen, Tagesschläfrigkeit (Hypersomnie), verminderte Leistungsfähigkeit, Unausgeglichenheit oder aber eine Kombination aus diesen einzelnen Symptomen sein. Beeinträchtigung im Alltag sind also vorprogrammiert, weswegen Betroffene häufig einen gewissen Leidensdruck verspüren. Sie können bspw. an sozialen Aktivitäten nicht teilhaben, wenn sich der Körper bzw. der Schlaf-Wach-Rhythmus in einer unpassenden Phase befindet.

 

Formen zirkadianer Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen

Gemäß der internationalen Klassifikation von Schlafstörungen lassen sich folgende Typen zirkadianer Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen unterscheiden:

  • Typ „verzögerte Schlafphase": Betroffene gehen erst zwischen 01:00 und 06:00 Uhr ins Bett, schlafen bis zum späten Vormittag oder Nachmittag, wünschen sich aber eine frühere Schlafphase. Häufig treten Depressionen zusammen mit dieser Störung auf.
  • Typ „vorverlagerte Schlafphase": Hier schlafen Betroffene schon zwischen 18:00 und 21:00 Uhr ein und sind auch früh wieder wach. In den meisten Fällen ist das schwer, mit dem Sozialleben zu vereinbaren. Auch hier sind Depressionen oft begleitend.
  • Typ „irregulärer Schlaf-Wach-Rhythmus": Hier sind die Schlafzeiten unvorhersehbar über den Tag verteilt. Die Menge an Schlaf ist dabei insgesamt jedoch normal.
  • Typ „freilaufender Rhythmus": Die Betroffenen haben einen Rhythmus, der viel länger ist als 24 Stunden: Sie gehen täglich 1 bis 2 Stunden später zu Bett als am Vortag, so dass nach 2 Wochen der Tag zur Nacht wird. Dies tritt häufig bei blinden Menschen auf.
  • Typ „Jetlag": Diese sehr kurzlebige Schlafstörung kennen viele. Tagesmüdigkeit, Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, manchmal auch Magen-Darm-Probleme nach Überfliegen von Zeitzonen. Nach etwa 2 Tagen passt sich die innere Uhr meist an die neue örtliche Außenzeit an. In schweren Fällen hat man länger damit zu ringen.
  • Typ „Schichtarbeitersyndrom": Hier werden die Probleme durch Arbeitszeiten ausgelöst und bewirken eine Mischung aus Ein- und Durchschlafproblemen, Tagesschläfrigkeit, Magen-Darm-Beschwerden und verminderter Leistungsfähigkeit.
  • Typ „Störungen durch Drogen, Medikamente oder Substanzen": Der verzögerte und der freilaufende Rhythmus wurden als Folge von Medikamenten gegen Schizophrenie, Demenz und Zwangsstörungen beobachtet. Darüber hinaus können Drogen – insbesondere solche mit lang anhaltender und stark aufputschender Wirkung wie Ecstasy – zu einer massiven Beeinträchtigung des Schlaf-Wach-Rhythmus führen.

Was kann Betroffene wieder in den Takt stupsen?

Feste Zu-Bettgeh- und Aufstehzeiten können helfen, einen stabilen Rhythmus aufzubauen. Manchmal ist dies aber nicht möglich. Eine andere Möglichkeit besteht dann zum Beispiel in der Lichttherapie, auch bekannt als “Lichtdusche”: Dabei wird die betroffene Person täglich hellem Licht ausgesetzt, was einem starken Wachmacher gleichkommt. Macht man das abends, kann dies den Rhythmus nach hinten verschieben. Morgens eingesetzt, kann es dazu beitragen, zum gewünschten Zeitpunkt wach und leistungsfähig zu werden und der drohenden Tagesmüdigkeit vorzubeugen.

Auch mit Medikamenten (Hypnotika, Melatonin etc.) wird versucht, aus dem Takt geratenen Patienten zu helfen. Bei Schichtarbeit können Medikamente nur helfen, zu funktionieren, lösen aber das eigentliche Problem nicht. Eine Verhaltensänderung wäre – sofern möglich – die gesündere Wahl. Auch wenn dies im Extremfall einen Berufswechsel zur Folge hätte.

letsleep-Tipps

  • Stellt eine größtmögliche Regelmäßigkeit im Hinblick auf Eure Schlafzeiten sicher und versucht, jeden Tag zur gleichen Zeit (± 15 Minuten) ins Bett zu gehen bzw. aufzustehen.
  • Nehmt unregelmäßige Bettgehzeiten wirklich nur dann in Kauf, wenn es nicht anders geht. Also zum Beispiel, wenn es Euer Dienstplan nicht anders zulässt.
  • Sprecht mit Eurem Hausarzt oder mit uns und schildert Eure Probleme. Möglicherweise können Euch geeignete Medikamente helfen, zurück in den Rhythmus zu finden.
  • Nehmt keinesfalls ohne Absprache Medikamente, um Euren Rhythmus zu verschieben.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (2009). S3-Leitlinie – Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen. Springer

Hajak, G. & Rodenbeck, A. (2010). Medikamentöse Therapie des Schichtarbeitersyndroms. Somnologie-Schlafforschung und Schlafmedizin, 14(2), 111-122.

Rodenbeck, A. (2007). Zirkadiane Rhythmusschlafstörungen. In H. Peter, T. Penzel & J. H. Peter (Hrsg.), Enzyklopädie der Schlafmedizin (S. 1324-1329), Heidelberg: Springer.