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Schlafstörungen

Nicht-erholsamer Schlaf kann hin und wieder auftreten, ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt. Wer aber über lange Zeit von schlechtem Schlaf geplagt ist, hat möglicherweise eine behandlungsbedürftige Schlafstörung. Hier findet Ihr einen Überblick über die sechs verschiedenen Hauptarten von Schlafstörungen, die in der internationalen Klassifikation von Schlafstörungen (International Classification of Sleep Disorders ICSD-2) unterschieden werden.


1. Insomnie

Jemand, der an Imsonmie leidet, braucht oft lange zum Einschlafen und kann nach einem nächtlichen Aufwachen gar nicht oder nur schwer wieder in den Schlaf finden. Schlafmediziner sprechen von Insomnie, sobald die Probleme dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat auftreten. Die schlechte Schlafqualität macht sich oft auch im Alltag bemerkbar: Die Betroffenen machen sich Sorgen über ihren Schlaf und sind weniger leistungsfähig. Man unterscheidet drei Schweregrade: leicht, mittelschwer und schwer. Die Ein- und Durchschlafprobleme treten oft zusammen mit einer anderen Erkrankung auf, kommen aber auch als eigenständiges Störungsbild vor. Dann spricht man von einer nichtorganischen Insomnie.

Um zu ermitteln, ob eine Insomnie vorliegt, kann auf verschiedene Methoden – bspw. vorstrukturierte Interviews oder verschiedene Fragebögen – zurückgegriffen werden. Strategien um einer Insomnie entgegenzuwirkenen sind zum Beispiel die Kognitive Verhaltenstherapie bestehend aus psychotherapeutischen Elementen sowie Entspannungstechniken, Schlafhygiene, Stimuluskontrolle oder Schlafrestriktion. Viele dieser Methoden findet Ihr auch bei uns in den Schlaftipps!

 

2. Schlafbezogene Atmungsstörungen

Diese Gruppe von Schlafstörung macht sich durch Atemprobleme und starkes Schnarchen nach nächtlichen Atemaussetzern bemerkbar. Oftmals bringt sie Tagesmüdigkeit und Erschöpfung mit sich. Die häufigsten Störungen dieser Art sind Schlafapnoe-Syndrome („Apnoe" ist griechisch und heißt in etwa „keine Luft"). Dabei kommt es zu Atemaussetzern, die manchmal länger als zehn Sekunden andauern. Diese auffällig langen Atempausen können entweder durch eine Behinderung der oberen Atemwege bedingt sein (dann spricht man von OSAS = Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom) oder ihren Ursprung im Gehirn haben, das nicht genug Signale zum Atmen sendet (dann spricht man von ZSAS = zentralen Schlafapnoe-Syndrom).

Mithilfe einer Polysomnographie (Aufzeichnung mehrerer Faktoren im Schlaflabor) kann eine solche Störung festgestellt werden. Dafür misst man unter anderem den Atemluftstrom und die Muskelaktivität. Oft wird eine schlafbezogene Atmungsstörung aber auch einfach vom Partner bemerkt. Wenn Ihr also den Verdacht habt, unter einer solchen Störung zu leiden, könnt Ihr Euren Partner bzw. Eure Partnerin auch einfach einmal bitte, Euch im Schlaf zu beobachten. Zur Behandlung dieser Krankheit gibt es Beatmungsverfahren im Schlaf, beispielsweise eine Maske, die die Atmung des Patienten durch zusätzlichen Druck verstärkt.

 

Wusstest Du schon?

Dem Wortteil „Somn-” begegnet Ihr hier relativ häufig. Es kommt vom Lateinischen „somnus" und heißt „Schlaf". Der Somnologe ist somit ein Schlafmediziner und die Somnologie die Lehre vom Schlaf.

3. Hypersomnie

Patienten mit Hypersomnie haben bspw. große Schwierigkeiten sich wachzuhalten, ein übermäßiges Schlafbedürfnis, eine gesteigerte Tagesmüdigkeit oder auch Kombinationen aus diesen drei Formen. Genau wie die Insomnie ist die Hypersomnie oft ein Symptom anderer Erkrankungen, kann aber auch als eigenständige Erkrankung vorliegen (und heißt dann Hypersomnie zentralnervösen Ursprungs). Auch hier unterscheidet man drei Schweregrade.

Im Schlaflabor kann eine Hypersomnie diagnostiziert werden, indem der Hang zum Einschlafen und die Schwierigkeit, wach zu bleiben, tagsüber getestet werden. Durch gute Schlafhygiene, manchmal in Kombination mit Medikamenten, kann man der Hypersomnie entgegenwirken.

 

4. Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen

Hierbei besteht eine Ungleichheit zwischen dem inneren, körperlichen Schlaf-Wach-Rhythmus und dem äußeren Hell-Dunkel-Rhythmus oder dem Rhythmus, den soziale Anforderungen wie Arbeitszeiten vorgeben. Diese Störung macht sich durch Insomnie, unfreiwilliges Einschlafen, Hypersomnie oder verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar und führt teilweise zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag.

Zur Ermittlung wird oft ein Schlaftagebuch geführt und Aktigraphie, also die Aufzeichnung von Schlafzeiten durch einen Bewegungssensor am Handgelenk, durchgeführt. Feste Bett- und Aufstehzeiten, seltener auch Medikamente und Lichttherapie können bei dieser Art von Störung helfen.

5. Parasomnien

Parasomnien sind verschiedene auffällige Verhaltensmuster im Schlaf. Dazu zählen bspw. Schlafwandeln, Alpträume, Schlaftrunkenheit, Nachtterror (plötzliches Schreien im Schlaf), schlafbezogene Essstörungen, schlafbezogene Halluzinationen oder auch eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung, bei der man bspw. geträumte Bewegungen in echt auslebt.

Oft wird eine Parasomnie durch Beobachtung des Partners bemerkt und dann durch genauere Überwachung im Schlaflabor festgestellt. Mögliche Therapien sind in Abhängigkeit von der Ausprägung der Parasomnie unterschiedlich. Aufklärung, Stressreduktion und eine gute Schlafhygiene sind jedoch in jedem Fall wichtig und stets ein Bestandteil der Therapie. Partner werden ebenfalls in die Behandlung einbezogen und aufgeklärt, weil diese oft unmittelbar von den nächtlichen Ereignissen betroffen oder sogar involviert sind.

 

6. Schlafbezogene Bewegungsstörungen

Hierbei handelt es sich um ungewollte Bewegungen im Schlaf. Dazu zählen unter anderem diese Krankheitsbilder: Restless-Legs-Syndrom (unangenehme Gefühle in den Beinen und Bewegungsdrang abends und nachts), schlafbezogene Beinkrämpfe, starkes Zähneknirschen im Schlaf (Bruxismus) oder sich wiederholende Bewegungen der Arme und/oder Beine (PLMD für Periodic limb movement disorder). Letztere werden meist nicht vom Betroffenen als Bewegung wahrgenommen, sondern machen sich durch nicht erholsamen Schlaf, etwa in Form von gesteigerter Tagesmüdigkeit bemerkbar.

Durch Anamnesegespräche und polysomnographische Beobachtungen können die Bewegungsstörungen ermittelt werden. Die Behandlung erfolgt hauptsächlich durch Medikamente.

letsleep-Tipps

  • Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) listet unter www.dgsm.de/schlaflabore_liste.php alle anerkannten Schlaflabore in Deutschland.
  • Wer unsicher ist, ob eine Überwachung im Schlaflabor nötig ist, kann trotzdem ein Beratungsgespräch mit einem Somnologen, also einem Arzt mit dem Zusatz „Schlafmediziner”, in Anspruch nehmen.
  • Einige Kliniken bieten Insomnie-Sprechstunden und andere Schlaf-Sprechstunden an. Scheut Euch nicht, Euch hier beraten bzw. untersuchen zu lassen.

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (2009). S3-Leitlinie – Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen. Somnologie. 13:4-160.
Ali, M., Auger, R. R., Slocumb, N. L., & Morgenthaler, T. I. (2009). Idiopathic hypersomnia: clinical features and response to treatment. Journal of clinical sleep medicine: JCSM: official publication of the American Academy of Sleep Medicine, 5(6), 562.
Mayer, G., Rodenbeck, A., Geisler, P., & Schulz, H. (2015). Internationale Klassifikation der Schlafstörungen: Übersicht über die Änderungen in der ICSD-3 Somnologie-Schlafforschung und Schlafmedizin, 19(2), 116-125.