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Schlaf und Lebensalter

Mit zunehmendem Alter verändern sich unser Schlafbedürfnis und das Schlafmuster ganz von selbst. Wir schlafen immer kürzer und haben immer weniger Tiefschlaf. Zusätzlich sind an unterschiedliche Lebensabschnitte verschiedene Gesundheitsrisiken gekoppelt.


Schlaf und Schlafmangel im Lebensgang

Schlafmangel äußert sich bei Erwachsenen anders als bei Kindern: Bei Erwachsenen hauptsächlich durch extreme Tagesschläfrigkeit, bei Kindern eher durch Verhaltensauffälligkeiten wie bspw. Aufmerkamkeitsstörungen. Ungestörter Schlaf ist in jedem Alter wichtig. Es werden Wachstumshormone ausgeschüttet. Schlaf dient dem Verarbeiten von Erfahrungen sowie der körperlichen und psychischen Entwicklung.
 

Säuglingsalter (bis 1. Geburtstag)

Schlaf: etwa 12 bis 17 Stunden, auf mehrere Phasen verteilt. Im 2. Monat bildet sich eine längere Schlafphase.

Risiken: (1) Atemaussetzer im Schlaf, die entstehen, wenn das Gehirn dem Körper keine Signale zum Einatmen gibt, treten vor allem bei frühgeborenen Kindern häufiger auf. Diese können ungefährlich sein, aber auch auf eine schlafbezogene Atmungsstörung hindeuten und sollten kontrolliert werden.

(2) Plötzlicher Säuglingstod (dessen Ursache noch immer unklar ist). Vorsichtsmaßnahmen: Bauchlage und Überhitzen vermeiden, keine verschluckbaren Gegenstände im Bett, zwischen Nahrungsaufnahme und Liegen Zeit zum Aufstoßen lassen.

(3) Kuhmilchallergien können bei Säuglingen Schlafstörungen auslösen. Aber auch blähende Inhaltsstoffe in der Muttermilch können den Schlaf stören. Hier kann es helfen, wenn Mütter selbst auf blähende Lebensmittel verzichten.

Wusstest Du schon?

Wir Menschen schlafen heute im Durchschnitt etwa 1,5 Stunden weniger als noch vor 100 Jahren.  

Kleinkindalter (2. und 3. Lebensjahr)

Schlaf: allmählich kürzere Schlafdauer. Im 2. Lebensjahr koppelt sich die Hauptschlafphase an die Nacht. Mittagsschlaf bleibt bestehen.

Risiken: Wenn die Eltern nicht mit dem Kind einüben, einen festen Schlaf-Wach-Rhythmus zu entwickeln, kann sich eine verhaltensbedingte Ein- und Durchschlafstörung entwickeln. Dies kann sich auch auf spätere Lebensjahre auswirken.


Kindergartenalter (4.-6. Lebensjahr)

Schlaf: ca. 12 Stunden. Teilweise noch Mittagsschlaf. Nächtliches Einnässen sollte hier aufhören.

Risiken: Schlafmangel kann Konzentrationsmangel, ungewollte Bewegungen, Verhaltensprobleme, Aufmerksamkeitsstörung und Lernstörungen bewirken. Gestörter Schlaf kann auch zu Wachstumsstörungen führen. Achtung vor Fehlinterpretation: Verhaltensweisen aufgrund von Schlafstörungen können jenen der Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ähneln.

Schulalter (6.-12. Lebensjahr)

Schlaf: ca 9-10 Stunden. Meist kein Mittagsschlaf mehr.

Risiken: Extreme Schläfrigkeit entsteht in diesem Alter v. a. durch Schlafmangel und schlechte Schlafhygiene (Gewohnheiten und Verhaltensweisen für einen gesunden Schlaf). Bei Kindern mit Wachstumsstörungen ist zu beachten, dass auch eine Schlafkrankheit ursächlich sein kann: Bei der kindlichen Obstruktiven Schlafapnoe (OSA) tritt weniger Tiefschlaf auf. Dies kann die Ausschüttung von Wachstumshormonen reduzieren und die Entwicklung negativ beeinflussen.
 

Pubertät und Jugendalter (ca. 13.-19. Lebensjahr)

Schlaf: ca. 8 Stunden. Anteil des REM-Schlafes, in dem Träume vorkommen, nimmt ab.

Risiken: Jugendliche haben oft ein dauerhaftes Schlafdefizit. Das ist für die Schullaufbahn erschwerend. Schlafstörungen, die nicht erkannt werden, können Lernstörungen und das Nichterreichen von Ausbildungszielen bewirken. In der Pubertät treten Ein- und Durchschlafstörungen auch im Rahmen psychischer Problemen (z. B. Essstörung) auf. Bei Frauen kann auch der Hormonzyklus eine Ursache sein.

Wusstest Du schon?

Wir Menschen schlafen heute im Durchschnitt etwa 1,5 Stunden weniger als noch vor 100 Jahren.  

Erwachsenenalter (20.-59. Lebensjahr)

Schlaf: ca. 7,5-8 Stunden. In dieser Zeitspanne Reduktion des Tiefschlafanteils von 20 % auf 5 % im Alter.

Risiken: Schichtarbeit erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-, Magen-Darm- und Stoffwechselerkrankungen sowie Schlafstörungen. Schlafbezogene Atmungsstörungen, bspw. die OSA, treten häufiger auf, und auch chronische Erkrankungen nehmen zu.
 

Hohes Erwachsenenalter (60. Lebensjahr und älter)

Schlaf: kürzerer Schlaf, der durch Nickerchen ausgeglichen wird. Nur noch etwa 5 % Tiefschlaf und viele Wach-Phasen in der Nacht.

Risiken: Schlafprobleme durch Medikamentenkonsum – insb. Hypnotika –  werden häufiger. Regelmäßiger Gebrauch erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit von Stürzen, schlafbezogenen Atmungsstörungen und erhöht insgesamt das Sterberisiko. Für eine Entwöhnung ist ärztliche Hilfe sinnvoll.

Literatur:
Peter, H. J. (2007). Lebensalter. In H. Peter, T. Penzel & J. H. Peter (Hrsg.), Enzyklopädie der Schlafmedizin (S. 675-681), Heidelberg: Springer;
Hirshkowitz, M., Whiton, K., Albert, S. et al. (2015). National Sleep Foundation’s sleep time duration recommendations: methodology and results summary. Sleep Health, 1(1), pp. 40-43. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.sleh.2014.12.010;
Bilder:
pexels.com

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