Information


Parasomnien

Parasomnie" ist der Überbegriff für alle Schlafstörungen, die sich in unerwünschten Ereignissen oder Verhaltensweisen äußern. Sie werden in drei Kategorien aufgeteilt: Parasomnien, die in den REM-Schlafphasen auftreten, Parasomnien, die in den Nicht-REM-Schlafphasen (NREM-Parasomnien) auftreten, und schließlich solche Parasomnien, die unabhängig von der Schlafphase sind. Parasomnien kommen häufiger bei Kindern vor und sind in den meisten Fällen unbedenklich. Die Symptome lassen sich oftmals mit Medikamenten oder Verhaltenstherapien erfolgreich eindämmen.

 

1. REM-Parasomnien

Wie der Name verrät, treten diese Schlafstörungen aus dem REM-Schlaf heraus auf. Im Gegensatz zu NREM-Parasomnien haben Betroffene häufig klare Erinnerungen an das Geschehene. Vertreter dieser Gruppe sind bspw. Verhaltensstörungen, Schlaflähmung und Albträume. Letztere zählen zu den häufigsten Schlafstörungen. Negative Gefühle wie Angst, Trauer oder Ekel sind so stark, dass sie fast allen Fällen zum Aufwachen führen.

Während des REM-Schlafs sind fast alle unserer Muskeln gelähmt, damit wir das, was wir träumen nicht in Wirklichkeit ausführen. Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist diese Lähmung fehlerhaft. Betroffene bewegen sich deshalb in manchen REM-Phasen. Diese Schlafstörung tritt vor allem bei Männern ab 50 Jahren auf und ist meistens ein Vorläufer von degenerativen Krankheiten, wie bspw. Parkinson. Deshalb sollte hier dringend ein Arzt aufgesucht werden, wenn bei Euch dieses Verhalten beobachtet werden sollte. Die Symptome können medikamentös behandelt werden.

Schlaflähmung oder auch Schlafparalyse tritt im Übergang von REM-Schlaf in den Wachzustand auf. Hierbei sind noch alle skelettalen Muskeln gelähmt, mit Ausnahme der Augen und der am Atmen beteiligen Muskeln. Die Betroffenen fühlen sich meist hilflos, verletzlich und im eigenen Körper gefangen. 

Wusstest du schon?

Im Alter vom vierten bis zum sechsten Lebensjahr kommt das Schlafwandeln bei ca. 30 % aller Kinder vor. Die Häufigkeit nimmt mit steigendem Alter ab. Lediglich bis zu 4 % der Erwachsenen schlafwandeln.

2. NREM-Parasomnien

Zu den häufigsten Vertretern von Parasomnien, die in den Nicht-REM-Schlafphasen vorkommen, zählen die so genannten Aufwachstörungen. Sie treten auf, wenn sich das Gehirn im Übergang vom Schlaf in den Wachzustand befindet und noch nicht vollständig erwacht ist. Zu ihnen gehören Schlafwandeln, Schlaftrunkenheit und Nachtangst. Im Gegensatz zu REM-Parasomnien, können sich die Betroffenen nur selten an das Geschehene erinnern. Diese Störungen treten bei Erwachsenen nur auf, wenn begünstigende Faktoren, wie Stress oder Alkoholeinfluss, vorliegen.

Nachtangst wird auch Nachtterror genannt und heißt wissenschaftlich Pavor Nocturnus. Sie äußert sich in massiven Symptomen von Angst. Die Augen sind weit aufgerissen und die Betroffenen können Fluchtverhalten äußern, was im schlimmsten Fall zu Verletzungen führen kann. Das Aufwachen wird oft von Schreien begleitet. An den Trauminhalt erinnern sich die Betroffenen meistens nicht.

Somnambulismus ist der Fachbegriff für das Schlafwandeln. Betroffene verlassen häufig das Bett und führen sinnlose Handlungen aus. Dabei sind die Augen geöffnet, und die Betroffenen sehen, was sie tun, können sich aber selten nach dem Erwachen daran erinnern.

Schlaftrunkenheit beschreibt unvollständiges Erwachen, das auftreten kann, wenn Personen aus dem Tiefschlaf geweckt werden. Zwar wirken die Betroffenen auf den ersten Blick wach, tatsächlich ist die Wahrnehmung jedoch noch stark beeinträchtigt, was sich häufig in einer gewissen Desorientierung oder auch schleppendem Sprechen bemerkbar macht.

 

3. Schlafphasenunabhängige Parasomnien

Zu den Schlafstörungen, die nicht an eine bestimmte Schlafphase gebunden sind gehören bspw. nächtliches Essen, Einschlafzuckungen, Sprechen im Schlaf, Bettnässen und Zähneknirschen. Diese Parasomnien sind in der Regel nicht-krankhafte Verhaltensweisen und bedürfen keiner Behandlung.

Nächtliches Bettnässen ist fast ausschließlich bei Kindern zu beobachten. Bei Erwachsenen lässt es sich auf organische Faktoren, wie eine Blasenschwäche zurückführen.

Nächtliches Zähneknirschen, auch Bruxismus genannt, ist sehr verbreitet. Betroffene leiden wegen des stark angespannten Kiefers häufig unter Kopfschmerzen. Bei schweren Fällen kann eine Aufbiss-Schiene die Abreibung der Zähne verhindern.

Einschlafzuckungen sind rhythmische Bewegungen kurz vor dem Einschlafen. Häufig werden sie auch von einem Seufzen oder Summen begleitet. Sie werden mit Lernvorgängen assoziiert und kommen häufig bei Kindern vor.

Plötzliches Zusammenzucken des gesamten Körpers in der Einschlafphase wird manchmal von Bildern oder Geräuschen begleitet.

Das Sprechen im Schlaf kommt bei etwa jeder fünften Person vor. Das Gesprochene ist wegen der stark entspannten Muskulatur meistens unverständlich.

letsleep-Tipps

  • Wenn Schlafstörungen einmal pro Woche oder öfter auftreten oder negativen Einfluss auf den Alltag haben, solltet Ihr einen Arzt aufsuchen.
  • Wenn Ihr eine Veranlagung für eine dieser Schlafstörungen habt, solltet Ihr Stress bestmöglich vermeiden und Alkohol nur in kleinen Mengen genießen.
  • Regelmäßige Entspannungsübungen vor dem Einschlafen und ein gesunder Lebensstil können das Auftreten der meisten Parasomnien vermindern.

Zusammenfassung

Die meisten der hier beschriebenen Parasomnien sind harmlos. Allerdings können bspw. Nachtangst oder Schlafwandeln zu gefährlichen Situationen führen. Auch wenn diese Schlafstörungen häufig nicht in ihrer Ursache bekämpft werden können, sollten ihre Auswirkungen eingeschränkt werden. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt von der subjektiven Belastung der Betroffenen oder ihren Angehörigen ab. Wenn sich die Verhaltensweisen negativ auf die Schlafqualität auswirken, gefährlich oder verstörend sind, sollte ein erfahrener Arzt aufgesucht werden.

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, AG Traum (2011). Patientenratgeber Parasomnien
Fleetham, J. A & Fleming, J. A. E. (2014). Parasomnias. Canadian Medical Association Journal. 186(8): E273–80.
Galbiati, A. et al. (2015). Behavioural and Cognitive-Behavioural Treatments of Parasomnias. Behavioral Neurology.